Sonntag, 13. August 2017

Urlaub I - Glencoe und Umgebung

Nachdem der Schottland Urlaub letztes Jahr ein voller Erfolg war, gab´s dieses Jahr eine Neuauflage! Leider wieder nur eine Woche, aber besser als nichts. Da die Crew vom letzten Jahr keine Zeit hatte, hab ich kurzer Hand Kathi gefragt. Die hat auch zugesagt, obwohl es sie ja sonst eher in südlichere Gefilde zieht (ich weiss solche Opfer zu schätzen). Ich hab sie aber mit den schönen Bergen zum Wandern ködern können und Anfang Juli war es dann soweit. Nach einigen dann doch zustande gekommenen Besprechungen via facebook und unzähligen Buchungen hatten wir dann doch so etwas wie einen Plan. Wir haben tatsächlich beide Flüge nach Edinburgh am selben Tag gefunden (was lustigerweise für die Kathi ein grösseres Problem war als für mich...) und uns dort getroffen.

am Loch Katrine in den Trossachs

Am nächsten Tag haben wir unser Mietuto abgeholt und uns in das Abenteuer "Fahr-auf-der-falschen-Seite" gestürzt. Kathi hatte das deutlich besser drauf als ich (ich schieb das jetzt mal darauf, dass sie deutlich mehr fährt..), aber auch sie war froh, dass wir uns die 100 Euro mehr für das Automatikgetriebe geleistet haben. Das Auto war ein schicker Audi, der sich aber als ein wenig unpraktisch herausgestellt hat weil er so tief liegt. Parkt damit mal wo in der Pampa ohne aufzusitzen.. wieder was gelernt. Wie auch immer, wir haben es unfallfrei aus dem Edinburgher Stadtverkehr auf die Autobahn Richtung Glasgow geschafft und auch die Abzweigung bei Stirling Richtung Norden nicht verpasst. Unseren ersten Stop am wir im Loch Lomond National Park eingelegt und eine kleine Wanderung am Loch Katrine gemacht.

Dann ging es flott weiter zu unserem Quartier in Inchree (Nähe Fort William). Eine sehr nette Unterkunft mit einem sehr guten Restaurant dabei und Pferden direkt vor unserem Fenster! Was will man mehr? Die Antwort lautet: Internet. Die Verbindung war so grottenschlecht, dagegen ist ein 56k Modem richtig brauchbar. Und mit dem Argument "remote location" können sie baden gehen, weil ich wohne in Island am AdW. Remoter gehts gar nicht mehr und die Isländer schaffen es ja auch, vernünftige Verbindungen auf die Beine zu stellen. Ich muss sagen, da hab ich lieber gar kein Internet als meine Zeit mit schlechtem Netz zu vertrödeln, in der Hoffnung vielleicht doch irgendwann meine Nachrichten lesen zu können...

Am Pass of Glen Coe bei eher britischem Wetter

auf dem Weg zu ersten Stob
Aber die Gegend um Glencoe ist einfach wunderschön, man weiss gar nicht in welche Richtung man seinen Fotoapparat zuerst halten soll. Für den nächsten Tag war eine grössere Wanderung geplant: mit Hilfe der sehr empfehlenswerten Website Walk the Highlands fiel unsere Wahl auf einen "unterschätzen Aussichtsberg", den Buachaille Etive Beag. Dazu mussten wir wieder ein Stück zurück auf den Pass of Glencoe, wo mittlerweile viele Parkbuchten neben der Strasse angelegt sind, sehr praktisch. Kathi war ja ein wenig skeptisch mit dem Wetter (Hochnebel), ich bin über solche Zweifel erhaben (zweistellige Plusgrade, einstellige Wind-Meter und kein Niederschlag - ich sehe kein Problem?) und als wir oben angelangt waren, hatten wir bestes Bergwetter. Unser Berg hatte zwei gleichermassen unaussprechliche Gipfel (sogar beide Munros!), die wir natürlich auch beide erklommen haben: zuerst den Stob Dubh und den Stob Coire Raineach. Ja, die heissen ernsthaft so.

Aussicht ins Glen Etive

Vom ersten Stob aus hatte man einen wunderbaren Ausblick auf das Glen (= Tal) und Loch Etive den die benachbarten berühmteren Berge. Dann ging es wieder zurück zum Sattel und auf den zweiten Gipfel. Die Aussicht dort ist das Glen Coe und ein grosses Moor (mit weiteren Lochs, versteht sich). Alles sehr beeindruckend. Was mich allerdings am meisten gefreut hat war, dass mein Bein weitestgehend schmerzfrei war während der Wanderung und sich auch am nächsten Tag besser benommen hat als gedacht. Der Bruch war zu diesem Zeitpunkt erst 9 Wochen her, ich bin sehr zufrieden mit der Heilung.

Gipfelfoto am 2. Stob (c) Kathi

Teil II folgt bald!

Sonntag, 6. August 2017

Ausgewählte Kostproben der isländischen Musik

Hier noch ein kleiner Nachtrag aus dem Sommer: Wie ihr alle wisst, ist Sveinsstaðir trotz direktem Anschluss an die Ringstrasse ja doch eher am AdW und Blönduós City ist auch nicht viel besser. Hier sagen sich Fuchs und Hase (viel mehr Pferd und Schaf) Gute Nacht und die Samstagabende bestehen aus spannendem Fernsehprogramm und/oder frühem Zubettgehen. Allerdings gibt es zu jeder Regel Ausnahmen und das verschlafene Blönduós enttäuscht da auch nicht: zwischendurch ist hier sogar was los:

man beachte die angeleinten Ziegen!
Am isländischen Nationalfeiertag zum Beispiel! Dieser ist am 17. Juni und da wird eigentlich im ganzen Land gefeiert, Flaggen und Parties überall. In einer so kleinen Gemeinschaft wie Blönduós ist dann auch fast jeder auf irgendeine Weise involviert. So auch der lokale Reitverein "Neisti". Dieser hat traditionell eine grosse Rolle am 17. Juni in Blönduós und die neuen Vorstände haben ihr Bestes gegeben: Luftballon- und Süssigkeitenverkauf, Gesichtsbemalung für Kinder, eine Wasserrutsche am Abhang vor der Kirche, Hindernisparcours im Turnsaal und Zuckerwatte. Ich wurde gebeten, bei der ganzen Sache zu helfen, und dafür dass ich nicht mal Mitglied im Verein bin, war ich gut beschäftigt. Angefangen haben wir um 10 Uhr vormittags, daheim war ich um 23:00. Aber es hat sich gelohnt und der Reitverein hat sogar ein bisschen Gewinn gemacht.

Pollapönk Auftritt
Das Highlight für die Kinder fand aber abends statt: da kam nämlich die Band und hat 2 Stunden lang im Turnsaal gespielt. Und wer von euch erkennt die? Die farbigen Anzüge sind vielleicht einigen im Gedächtnis geblieben? Naa? Also gut, ich will halt mal nicht so sein. Das sind Pollapönk, die Island 2014 beim Eurovision Songcontest vertreten haben. Für alle die sich nicht erinnern, hier ist der Link zum Song No Prejudice. Natürlich haben sie aber noch ganz viele andere bekannte Lieder, welche die Kinder zu höchster Freude und die Eltern mitunter zu Tränen (zwecks endloser Wiederholung) antreiben. Das weisse Viech ist übrigens Húni, das lokale Maskottchen. Die Gegend hier heisst Húnavatnssýsla, nach den zwei Eisbärjungen (isl. húni), die hier im Jahre Schnee mal angetrieben kamen.
Die Kinder waren jedenfalls alle begeistert und todmüde als das Konzert um 21 Uhr zu Ende war. Mission accomplished.

Nur einen Monat später fand dann die Party des Jahres statt: das Húnavaka. Ein lokales Festival, welches jedes Jahr an Popularität gewinnt. Das ganze Wochenende besteht aus Kinderbespassung am Tag (Clown, Gesangswettbewerb, Airbrush Tattoos, Flohmarkt, Ponyreiten, Paintball, Hüpfburg, etc.) und Erwachsenenbespassung am Abend. Bei letzterer wird mitunter etwas übertrieben und ganz Blönduós erwacht mit kollektivem Kater am Tag danach.
Dieses Jahr wurde sogar ein auf Island ganz berühmter Popsänger engagiert: Páll Óskar! Auf Island ganz bekannt, ausserhalb eher weniger. Interessierte können sich hier seine Musik anhören: leichter Pop mit deutlichem 90s Einschlag. Das Einhorn hatte er bei uns zwar leider nicht dabei, aber dafür zwei Tänzer im Ganzkörper-Glitzeranzug. Auch nicht schlecht. Auf der Party hat er dann natürlich nicht nur seine eigenen Lieder, sondern auch eine lustige Mischung aus Evergreens (Queen, ABBA, etc.) gespielt und die Stimmung war richtig gut.

Schade dass solche Konzerte nicht öfters stattfinden hier, aber dann wär es vielleicht auch nicht mehr so lustig.