Samstag, 9. Juli 2016

Island und der Fussball

Es war die letzten Wochen kaum zu übersehen/-hören, dass die winzige Inselnation es tatsächlich geschafft hat, sich für die Fussball EM 2016 zu qualifizieren. Selbst hartnäckige Fussballverweigerer wie ich entkamen dem nicht. Wobei Verweigerer das falsche Wort ist, dazu müsste ich ja aktiv verweigern, aber dieser Sport tangiert mich halt einfach GAR nicht. Wie auch immer, durch Fragen wie "Hältst du dann eigentlich für Island oder Österreich???" (Antwort: "Haaa? Bei was?") wurde ich darauf hingewiesen dass auch Österreich diesmal mit dabei sein wird. Und das sogar ohne Gastgeber zu sein, kaum zu glauben. Laut Pressestimmen sogar verdient, aber leider war davon im Turnier selber nix zu sehen. Zumindest nicht für mich als Laien. Die Frage für wen ich halte, war damit beantwortet. (Ich Opportunist, ich.)

Die Isländer dagegen haben ihre Chance wahrgenommen. Das erste Mal dabei, mit einem Zahnarzt als Trainer und nur 2 Profispielern aus der 1. Liga haben sie vor allem eines gezeigt, nämlich Kampfgeist. Selbst als Frankreich quasi schon gewonnen hatte, hat keiner aufgegeben und die Mannschaft hat tatsächlich noch zwei Tore gemacht. Nachdem ich hier jetzt doch schon einige Jahre lebe, kann ich sagen, dass das die Isländer recht gut beschreibt: nie aufgeben, sondern weitermachen, irgendwas geht immer. Und das tut es. Nicht immer das was man wollte, aber irgendwas. Die Leute fragen mich oft wie ich das mache, im Ausland leben, schwieriges Studium, Arbeit, neue komplizierte Sprache und so weiter. Die Antwort ist: nicht aufgeben, hart arbeiten und an die eigenen Träume glauben. So wie die Isländer es auf dieser EM vorgelebt haben. In diesem Sinne:

(c) Hugleikur Dagsson

P.S.: Das Spiel England - Island haben wir übrigens in einem netten Pub in Inverness angeschaut. Als die Engländer das Tor geschossen haben, war es ziemlich still und ich dachte: "Naja, das Spiel interessiert wohl keinen." Falsch gedacht! Als die Isländer wenig später ausgeglichen haben, hat auf einmal der ganze Pub gejubelt! Sehr sympathisch, diese Schotten.

(c) Feli Glabischnig

Montag, 4. Juli 2016

Urlaub Teil I - die Hochzeit

Nachdem ich sowohl Praktikum als auch Reitkurs erfolgreich hinter mich gebracht habe, war es erst mal Zeit zum Ausspannen. Oder das war zumindest der Plan. In Wahrheit war das auch gar nicht so unstressig. Ich werde versuchen, das Ganze in einigen kleinen Blogposts aufzuarbeiten.

Erste Station war Österreich. Kaum angekommen, gings auch schon auf den Polterabend für die liebe Tina in Graz. Nach gefühlten hundert Getränken, Karaoke singen und Klopfer verkaufen sind wir um der guten alten Zeiten im Nachtexpress und im Q gelandet. Ersteres Lokal hat immer noch dieselben Lieder auf der Playlist wie in Studienzeiten, das letztere hat sich ein wenig (nicht unbedingt zum Besseren) verändert. Aber vielleicht waren wir auch schon zu betrunken, das soll ja vorkommen...

Ich, Tina, Michi, Mario
Am Wochenende darauf wurde dann in Birkfeld die zugehörige Hochzeit von Tina & Eddie kirchlich gefeiert. Ganz nach amerikanischer Tradition (Eddie ist aus den USA) gab es am Vorabend auch ein "Rehersal Dinner", eine Art Probeessen mit Freunden und Familie. Ausserdem werden, vom Vater des Bräutigams weg beginnend, lustige Anekdoten über Braut oder Bräutigam erzählt (je nach dem welchen der beiden man halt kennt). Ziel des Abends ist es, möglichst peinliche Geschichten aus der Vergangenheit auszugraben und aufzutischen, damit sich der Partner im Bedarfsfall das mit dem Heiraten nochmal gründlich überlegen kann.
Wir Europäer waren alle zu faul um zu googlen was es mit diesem Dinner auf sich hat hatten von dieser Tradition erst relativ spät erfahren. Daher war unser Beitrag auch relativ spontan und kurz, aber es wurde viel gelacht. Unsere Einfallslosigkeit haben wir sehr elegant damit begründet, dass wir immer viel mehr getrunken hatten als die Braut und uns an ihre Eskapaden schlicht und einfach nicht erinnern können.

Das Brautpaar
Die Feier war sehr schön und auch ein kleines "Klassentreffen" der unserer Grazer Physikerrunde, die sich mittlerweile in alle Richtungen verstreut hat. Ich hatte ja keine Ahnung, was ich anziehen sollte weil rot, weiss und schwarz ja nicht erlaubt sind. Zum Glück hat Tina dann mal gesagt, dass sich die amerikanische Verwandtschaft bestimmt freut, wenn viele Leute in Tracht auftauchen und das der Grossteil ihrer Verwandtschaft sowieso tun wird. Juhu, dann nur noch schnell ein Dirndl von der Mama ausgeborgt und das Problem ist gelöst! Alles in allem ein anstrengendes, aber sehr schönes Wochenende und ich wünsche Euch beiden nur das Beste!

Donnerstag, 31. März 2016

Torfunes die 2.

Nach viel zu kurzen Osterferien auf Sveinsstaðir hab ich mich am Gründonnerstag auf den Weg nach Norden zum Praktikum gemacht. In Sveinsstaðir war Sonnenschein und Frühling, in Hólar (wo ich den Rest meiner Sachen abgeholt habe) war es frühlingshaft und regnerisch, kurz vor Akureyri Schneeregen und trüb, nach Akuryri Schneesturm und in Torfunes tiefster Winter. Damit ihr euch ein bisschen vorstellen könnt wo das ist, habe ich eine Karte eingefügt:


Zum Glück hat sich das Wetter dann am Montag gebessert, allerdings ist es auch kälter geworden. In der Früh waren es -16 Grad. Das brauch ich dann doch nicht zu Ostern. Ausserdem ist es lästig wenn im Stall ständig das Wasser einfriert. Immerhin soll es nächste Woche wärmer werden.

Wie sich der geneigte Leser vielleicht erinnert, war ich schon einmal für 3 Monate auf Torfunes zum Arbeiten. Viel hat sich hier nicht verändert: nette Pferde und nette Leute. Leider ist der nette Hund ohne (nenneswerten) Geruchssinn vor ein paar Wochen gestorben. Sehr schade, der war nämlich sehr niedlich und freundlich. Dafür hat Nella (meine Lehrerin) eine liebe und hübsche Hündin namens Vilda, die eine Tochter von den Kolla und Pjakkur auf Sveinsstaðir ist.

Rós und ich beim Ausreiten

Rós und Kraftur sind auch angekommen und neu beschlagen. Dem Training steht als nichts mehr im Weg. Ausser vielleicht fehlende Zeit, aber bisher geht sich das gut aus.

liebe Grüsse aus dem Winter!

Dienstag, 22. März 2016

Halbzeit

Die Zeit vergeht hier wirklich wie im Flug. Der erste Tail des Sommersemesters ist schon so gut wie vorbei. Das heisst auch, dass wir das schöne Hjaltadal bald verlassen um unsere Praktika zu machen. Jeder von uns muss dafür 8-9 Wochen auf einem Hof arbeiten und Pferde trainieren. Auf dem Hof muss auch ein geeigneter Reitlehrer zur Verfügung stehen, der uns beurteilt und uns bei Bedarf hilft. Ausserdem müssen wir einen Reitkurs halten.
Ich werde also die nächsten 2 Monate auf Torfunes verbringen und dort arbeiten. Petronella, eine Schwedin die auch einmal bei Óli gearbeitet hat, wird meine Reitlehrerin. Ich freu mich schon aufs arbeiten, denn so interessant die Schule auch ist, das Arbeiten macht mehr Spass. Kraftur und Rós kommen auch mit, sobald ich eine Fahrt für die beiden gefunden habe.


Die letzten Wochen waren wie üblich stressig. Zuerst hatten wir eine Statistik Prüfung. So eine hab ich natürlich schon in Ö abgelegt, aber leider konnte ich sie mir nicht anrechnen lassen (zuwenig ECTS Punkte). Also nochmal der ganze Spass. Ich muss sagen, der Stoff wird auch beim 2. Mal nicht wirklich interessanter... und Excel ist immer noch nicht mein Liebelingsprogramm. Aber die Prüfung ist bestanden.
Mit meinen lieben Jungpferden hat alles ganz hervorragend geklappt. Die waren alle 3 so gut, dass ich mich bis zum Vorabend nicht entschlossen hatte, welche 2 von den dreien ich in der Prüfung zeige. Ich hab mich dann für die beiden Damen entschieden und sowohl Drottning als auch Fjöður haben diese Aufgabe super bewältigt. Der Prüfer (der die beiden probiert hat) war sehr beeindruckt von beiden und unsere Noten waren demensprechend hoch. So macht das Spass! Ich werde die 3 vermissen. Die Prüfung mit dem Trainingspferd ist nicht ganz so gut gelaufen, aber bestanden.


Jetzt habe ich zwei Tage zum Ausspannen in Sveinsstaðir und dann heisst es packen, putzen und auf nach Torfunes.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Neues Jahr, neue Pferde

Diesmal zur Abwechslung kein Nachtrag, nein, ein brandaktueller Post! Man glaubt es kaum, ich weiss...

Wie einigen Lesern schon bekannt ist, ist dieses Semester bei mir zweigeteilt. Bis Ostern sind wir in der Schule, lernen unter anderem "Sportpsychologie" und Statistik (der entkommt man einfach nicht, es is zum Auswachsen) und absolvieren den ersten Teil unseres Praktikums. Der besteht darin, 3 Jungpferde einzureiten, von denen wir mit zweien dann zur Prüfung antreten. Zum Glück dürfen wir selbst aussuchen welche das sein werden. Deswegen platzt der Stall aus allen Nähten weil 19 Schüler mal 3 Pferde pro mann eigentlich gar nicht so wenig sind. Unsere Trainingspferde (die älteren) mussten jedenfalls schon in den alten Stall umziehen. Die mir zugeteilten Pferde sieht man auf dem Bild unten und sie heissen (von links) Fjöður ("Feder"), Drottning ("Königin") und Freyr. Freyr und Fjöður sind soweit ganz lieb und brav, Drottning ist eher schwierig und probt mitunter den Aufstand, aber was will man erwarten von einer Königin.



Gyðja
Das schwarze Tier auf dem Einzelbild hört auf den Namen Gyðja und ist mein Trainingspferd. Sie war bereits im Herbst hier im Training, ich habe sie quasi von einem meiner Klassenkollegen übernommen. Meine Aufgabe ist nun ihr den Tölt beizubringen. Also, was heisst beibringen. Tölten kann sie natürlich selbst, aber die Hilfen muss man ihr beibringen. Sie ist sehr lieb und arbeitet eifrig mit, ich mag sie sehr gern.

Kraftur und Rós sind gestern auch endlich eingetroffen. Sie stehen bei einem Bauern weiter draussen im Tal, aber es sind zum Glück nur 10 Minuten mit dem Auto zu fahren. Dort teilen sie sich eine Box, was auch sehr gut funktioniert, sie sind jetzt beste Freunde! Jetzt haben auch endlich beide Hufeisen und den winterlichen Ausritten steht nix mehr im Weg! (wenn das Wetter und der Stundenplan mitspielen, soll das heissen.)


Rós & Kraftur

Dienstag, 12. Januar 2016

Ende 2015

Mein letzter Post ist ja schon länger her (leider), deswegen eine kurze Zusammenfassung von vor Weihnachten. Das Semester ging sehr stressig weiter, aber ich hab es erfolgreich zu Ende gebracht. Alles Prüfungen (von denen ich weiss) sind bestanden, einige sogar mit richtig gutem Erfolg.

Wir haben mit den Jungpferden quasi dort weitergemacht, wo wir aufgehört hatten. Jeder von uns durfte eines behalten und die andern wurden durchgetauscht. Ich habe Krás behalten dürfen (das seltsam gefärbete Tier) und bekam dazu eine andere Stute namens Evrópa. Die mustte dann leider nach 3 Wochen aus gesundheitstechnischen Gründen heimfahren und mein Ersatzpferd hiess tatsächlich Asía! Mit den beiden Damen habe ich dann auch die Prüfungen erfolgreich absolviert.
Mein Trainingspferd wurde auch getauscht, der neue sah fast gleich aus (auch riesengross und schwaz), war aber um Längen einfacher. Eyvindur heisst der Gute. Ein bisschen gestresst war er, aber das hielt sich in Grenzen und wir haben auch ganz gute Noten bekommen.

Eyvindur


Das einzig wirklich interessante, das in dieser Zeit passiert ist (soweit wir mitbekommen haben), war der schwere Sturm um den 7. Dezember. Die geneigten Leser erinnern sich vielleicht an katastrophale Bilder aus Schottland. Island wurde in den Medien eigentlich nicht erwähnt, aber der Sturm hat uns auch voll erwischt. Am schlimmsten war es natürlich im Süden, wo der Sturm auf die Küste getroffen ist. Island ist da ja sehr pragmatisch, es wurden tagelang vorher Warnungen ausgegeben und vorsorglich ab 17 Uhr alle Strassen gesperrt. Das sieht dann so aus wie auf dem obigen Bild.


Öffentliche Verkehrsmittel fuhren auch keine mehr und alle Ämter, Geschäfte, Restaurants und sonstigen Einrichtungen hatten geschlossen. Wir in unserem Tal waren ein wenig geschützt, aber nicht viel. Alle Lehrer sind schon um 3 am Nachmittag gefahren, damit sie auch ganz sicher vor dem Eintreffen des Sturms daheim sind. Wir durften uns nach 5 nicht mehr im Stall aufhalten und alle Türen wurden zugesperrt und verriegelt. Der Orkan selbst traf allerdings nicht vor 21 Uhr ein, obwohl einige der Vorboten (einzelne Windböen) auch nicht schlecht waren. Die waren so stark, dass unsere Jungpferde nicht einmal durchgehen konnten, weil sie nicht vom Fleck kamen. Wir waren nämlich alle ausreiten in der Ruhe vor dem Sturm. Diese Ruhe vor dem Sturm ist übrigens wirklich etwas Unheimliches. Aber der eigentliche Sturm war ein ziemlich einmaliges Erlebnis. Wir haben schon überlegt was wir machen, wenn unsere Fensterscheiben nicht halten... und die sind ganz neu. Zum Glück haben sie gut gehalten und wir hatten nicht einmal Stromausfall. Auch das Internet war die ganze Zeit da. Damit war das Ganze mit der Zeit eher heimelig.
Zum Schluss zeige ich euch noch die Wettervorhersage für besagten Abend. Zur Information: normalerweise ist alles im grünen Bereich. Und bei rosa fang ich normalerweise an zu überlegen ob ich jetzt wirklich unbedingt heute fahren muss.


Freitag, 6. November 2015

Schafstall die 2.

Hier kommt ein kleiner Nachtrag zum Oktober, da hatten wir nach einer enorm stressigen Prüfungswoche nämlich ein paar Tage frei. Und wie das so ist war unser ganzer Jahrgang binnen einer Stunde nach der letzten Show aus Hólar verschwunden. Das geht dann immer recht schnell, keiner kanns erwarten von hier wegzukommen. Ich bilde da keine Ausnahme, hatte mein Zeug schon gepackt und ab nach Sveinsstaðir! Dort kam ich gerade rechtzeitig zu Magnús` Geburtstagsfeier mit gefühlten 1000 Kuchen, wie immer.

Kuchen mit Ponykerzen!
Der nächste Tag war ein besonderer: zum ersten Mal Schafe im neuen Schafstall! Zur Erinnerung: Anfang Juni war der neue Schafstall nichts weiter als ein Loch im Boden. Wer sich nicht erinnert: hier klicken. Nach einem langen und arbeitsreichen Sommer hab ich noch ein Foto gemacht, bevor ich gefahren bin. Man sieht, der Keller ist schon fertig und das "Gerippe" wird aufgerichtet. (Man beachte das tolle isländische Herbstwetter.)

25.September
Tja, als ich jetzt wiedergekommen bin, war das ganze auf einmal ein Riiiiiiiiiiesenhaus. Drinnen waren grosse Boxen (für ca. 50 Schafe) eingerichtet und ein Futtergang. Sonst war es noch recht karg, aber man sieht schon wie schön (und vor allem PRAKTISCH) das wird. Ich hab noch schnell ein paar Fotos gemacht bevor die Schafe kommen. Die machen ja dann alles dreckig, igitt. Hier ist der Stall ohne Schafe:

ohne Schafe

mit Schafen
Nass ist es am Boden, weil es geregnet hat und die Dachfenster noch nicht geliefert wurden. 

Falls sich jetzt jemand fragt, was ich die ganzen Herbstferien gemacht habe: Um die Schafe in das neue Schafhaus zu kriegen, muss man sie erst mal zusammensammeln, das ist eigentlich die Hauptarbeit. Deswegen sind wir jeden Morgen um 8 aufgestanden, um dann stundenlang mit Autos, Quads, Pferden, Hunden oder zu Fuss möglichst alle Schafe und Lämmer zusammen zu treiben. Dann wird alles sortiert (Schafe vs Lämmer), die Lämmer werden gewogen und dann wird über Leben und Tod entschieden...

Sveinsstaðir
Wie immer war es sehr schön für mich mal was anderes zu machen und aus diesem finsteren Tal wegzukommen. Man glaubt gar nicht, wie interessant einem Schafe auf einmal erscheinen können!