Montag, 20. Februar 2012

Bauernhof und Grosstadtluft

Jæja, die Zeit vergeht schneller als gedacht. :) Die zweite Woche war schon deutlich weniger anstrengend. Langsam scheinen meine Muskeln wieder zurückzukommen. Es ist eben doch was anderes ob man jeden Tag auf ungefähr zehn Pferden sitzt als nur etwa alle zwei Wochen auf einem. Aber wie gesagt, die täglichen Spatzen vom Reiten bleiben inzwischen aus. Die Pferde haben sich mittlerweile an mich gewöhnt und wir haben auch einige neue dazubekommen. Die meisten sind relativ lieb und brav, aber einige Spezialisten haben wir natürlich auch. Abgesehen davon, dass man bei Jungpferden eh nie sicher sein kann. 
Das Wetter letzte Woche war eher stürmisch. Für uns ist das eher schlecht, weil wir dann mit den jungen Pferden nicht draussen arbeiten oder ausreiten können (ja, man sollte nicht glauben, was der Wind auch bei Pferden in im Freien aufgewachsen sind, so anrichten kann.. alles ist auf einmal brandgefährlich! ALLES!). Einige stabile Charaktere ausgenommen, neben denen könnte denke ich auch eine Bombe hochgehen und sie würden sich nicht schneller bewegen. Der Rest der Jungpferde musste sich drinnen auf recht engem Raum langweilen und von mir an der Hand ärgern lassen (Vorhandwendung, Rückwärtsgehen, ... ). Die älteren müssen sowieso bei (fast) jedem Wetter raus.
Letzte Woche hat mein liebes Pferdchen auch endlich Hufeisen bekommen. Vier Stück sogar! Ich hab ihn natürlich auch shcon ausprobiert und bis auf die Kondition ist alles wunderbar. Aber wir arbeiten daran! Ob er allerdings so erfreut ist, dass sein Urlaub zu Ende ist, kann ich nicht sagen...


Hin und wieder haben wir auch gutes Wetter. Hier zum Beispiel: 




Das sind Flöckchen und ich am Eingang des Vatnsdalur so gegen 10 Uhr vormittags. Der Schnee ist jetzt schon wieder weg und Flöckchen ist natürlich nicht ihr richtiger Name. Den weiss ich nämlich nicht. Mein Chef weiss die meisten Namen selbst nicht, deswegen heissen die Pferde oft wie deren Besitzer. Oder wie die Ehefrauen der Besitzer. Ich habe natürlich schon Namen für die meisten Pferde. Flöckchen hatte aber Glück, bei den meisten bin ich nicht so poetisch aber zu ihr passt es irgendwie. Wir haben zum Beispiel auch Angry Bird (jetzt dürfen alle mal raten, wie der so drauf ist...), the Living Time Bomb, Freaky Friend, Pacy Guy, Týr-lookalike und Special Pinto. ^^




Da mich viele gefragt haben wie lange es im Moment hier hell ist: Hier noch ein Foto vom heutigen Sonnenuntergang (den ich fast verpasst hätte) um 17:25. Ortszeit. 

Letzten Donnerstag habe ich auch ganz spontan an einem kleinen Töltwettbewerb teilgenommen. Nicht mit Kraftur, der ist noch nicht fit genug. Ich habe ein gutes Pferd (Fiðringur, der hat sogar einen echten Namen) aus unserem Stall geborgt bekommen, der einzige Haken an der Sache war, dass ich ihn erst einmal zuvor probiert hatte. Dementsprechend nicht allzu glorreich war unser mit vier anderen Reiten ex aequo 7. Platz. Da aber nur 5 Reiter im B-Finale (Wettkampf um die Plätze 6 bis 10) teilnehmen können, mussten alle auf dem 7. Platz nochmal reiten und den B-Finale Teilnehmer des 7. Platzes zu ermitteln. Dieses Vorfinale konnten wir tatsächlich für uns entscheiden und auch unseren 7. Platz haben wir im folgenden B-Finale erfolgreich verteidigt. Leider konnte niemand Fotos machen, deswegen hier nur der Link zur Vereinshompage: Töltmót 16.2.2012 
Für alle die meine Reitklamotten nicht so gut kennen: ich bin auf dem ersten Foto die zweite von links. Im Video bin ich bei 1:29 kurz zu sehen. 8:39 zeigt meinen Chef Óli auf Ódeseifur, der diesen Bewerb auch am Ende für sich entscheiden konnte. 
Das Ganze war sehr lustig (obwohl ich den Typen mit dem Mikrofon GAR nicht verstanden habe) und ich hoffe es ergibt sich mal wieder die Chance bei sowas mitzumachen.


Am Wochenende bin ich mit Christina, die in Þingeyrar (ein Nachbarhof) arbeitet, nach Reykjavík gefahren. Dort haben wir dann auch kräftig gefeiert, meistens im Bakkus. Es ist allerdings ein bisschen anstrengend, da man vor Mitternacht erst gar nicht gar nicht wegzugehen braucht. Um die Zeit ist alles noch leer. Nach 12 kann man dann das erste Bier in einer Bar trinken (bei den isländischen Preisen hat man aber am besten schon einige zuvor daheim genossen..) und so gegen vier Uhr geht die Party dann los. Dafür aber so richtig. Vor 6 oder 7 geht ohnehin niemand heim. Christina und ich haben das Programm gleich Freitag UND Samstag Abend durchgezogen. Wenn man in der Pampa wohnt muss man die Grossstadt eben ausnützen. Am Sonntag auf der Heimreise hat sich dann allerdings dezente Müdigkeit breitgemacht, die unverzüglich mit Schokolade und Kaffi bekämpft wurde. Ich bin dann aber doch schon so zwischen 8 und 9 schlafen gegangen. Trotzdem haben wir uns auf eine baldige Wiederholung geeinigt. 


liebe Grüße!

Sonntag, 12. Februar 2012

þórrablót

Gestern fand in Blönduós eine Party statt, das þórrablót. Das gibt es jedes Jahr im Februar und ist die beste Gelegenheit, echt isländsche kulinarische Highlights Kuriositäten kennenzulernen. Dieses Fest soll die Leute daran erinnern wie schwer der Winter und das Leben in Island früher waren. Daher gibts es hauptsächlich Essen, dass einem als Kontinentaleuropäer in der Form nicht unbedingt begegnet ist. Da isst man dann so leckere Sachen wie Widderhoden, Schafsköpfe (im Ganzen) und halb vergammelten Fisch. Natürlich gibt es auch den berühmten Hákarl (Hai, den man erst für ein paar Monate eingraben muss, bevor man ihn essen kann. Schmeckt und riecht auch danach). Nam Nam. Ich habe keine fotos vom Essen gemacht, aber Wikipedia weiss alles: Þorramatur.
Und ja, wir haben zuhause gegessen, bevor wir dort hingegangen sind. Es ist beruhigend, dass auch die meisten Isländer das nicht unbedingt so toll finden. Einige essen es aber mit Begeisterung, sehr faszinierend muss ich sagen.
Nach dem Essen gibt es dann ein kleines Unterhaltungsprogramm. Meist ist das so eine Art Kabarett von Leuten aus der Umgebung über Leute aus der Umgebung. Das Ganze ist vermutlich höchst unterhaltsam, wenn man a) isländisch fliessend spricht und nicht nur daherstottert wie ich, b) man die Leute kennt um die es gerade geht und c) das ganze NICHT drei Stunden dauert. Verstanden hab ich natürlich nicht soviel, vor allem sprechen die Leute wenn sie zur Pointe des Witzes kommen immer gleich noch eine Spur schneller. Aber bei mir bekannten Leuten war es einfacher und da konnte ich dann auch drüber lachen wie bestimmte Personen (zum Beispiel unser Nachbar ist ein beliebter Gegenstand der Scherze) dargestellt werden.
Danach wird gesungen wie auf jeder isländischen Party. Das meine ich ernst, Isländer sind immer und überall zum Singen bereit, jedenfalls am Land und bei entsprechendem Alkoholpegel. Getrunken wird übrigens nebenbei oder schon zuhause. Bei dieser Party ist es auch erlaubt und sogar erwünscht seinen eigenen Alk mitzubringen und zu trinken. Sehr angenehm.
Die Band war auch ganz nett, allerdings waren für meinen Geschmack zuviele langsame Lieder.

Das Ganze war eine gute Gelegenheit die anderen ausländischen Mädls zu treffen. Heidi, meine ehemalige Arbeitskollegin aus Finnland war dort, ebenso Ninni (Finnland), die extra aus Hólar für dieses Wochenende angereist kam. Weiters arbeiteten die deutschen Mädchen Ramona und Hanna in Hvammur (mein vorheriger Arbeitsplatz) und auf einer anderen Farm. Hege aus Norwegen arbeitet ebenfalls in Blönduós für einen Trainer.

Heidi, ich und Ninni


Insgesamt war das Ganze sehr lustig. Um halb fünf hat mich dann ein Nachbar nachhause gefahren, während meine Chefs noch ein bisschen weitergefeiert und anschliessend in Blönduós übernachtet haben. Vor einer Stunde sind auch sie nachhause gekommen. Warum ich schon früher zuhause war? Na, jemand muss doch in der Früh die Pferde füttern... wofür hat man diese Ausländer denn eingestellt?
Scherz beiseite, ich habe jedes zweite Wochenende ganz frei und an den anderen muss ich die Pferde und die Schafe füttern, sonst nichts.
Also bin ich heute so gegen zehn Uhr in den Stall schlafgewandelt, hab den Gäulen zu essen gegeben, bin wieder in mein Bett gewankt und hab weitergeschlafen. Toll! Und nein die Schafe hab ich nicht vergessen, die haben gestern Abend mehr bekommen und kriegen jetzt auch gleich noch was.

Sonst gibt es nicht soviel Neues, ich bin nicht nochmal runtergefallen (das hat wie schon erwähnt mein Chef erledigt) und mein Pferd hat noch immer keine Hufeisen. Immerhin nimmt er langsam zu.

Teddy-Kraftur

Ich gehe jetzt, die Schafe warten...

Dienstag, 7. Februar 2012

Winter - zumindest dem Kalender nach

Auch auf die Gefahr hin mich extrem unbeliebt bei allen Kontinentaleuropäern zu machen: Seit ich angekommen bin hat es hier tagsüber Plusgrade, gestern sogar +8 und heute war es glaube ich noch wärmer. Dafür haben wir Sturm. Und zwar RICHTIG. Als ich heute Vormittag mit einem Pferd aus dem Windschatten der Gebäude getreten bin (also das eigentlich das Pferd, ich sass ja drauf), hat es das Tierchen und mich fast umgeweht. Dabei ist es ein grosses starkes Pferd! Ich bin jedenfalls nur noch mit bzw gegen den Wind geritten, von der Seite sind diese Sturmböen eher unlustig.
Nachts kann es aber durchaus noch frisch werden uns schneien, aber das hält nicht lange. Bis auf den Wind ist das Wetter aber leidlich schön.





Die ersten beiden vollen Arbeitstage habe ich auch beinahe unversehrt überlebt. Peinlicherweise bin ich gleich an meinem ersten vollen Arbeitstag vom Pferd gefallen. Ups. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass das Vieh meiner Meinung nach Sprungfedern unter den Hufen gehabt haben muss, sonst ist es physikalisch nicht möglich dass ein so kleines Tier so hoch springt. Mein Chef war auch schwerstens überrascht, das Pferd war bisher anscheinend (milde ausgedrückt) faul. Naja, bei Jungpferden weiss man halt nie... diese hier musste vermutlich bloss erst die nötigen Muskeln aufbauen.
Mir selbst ist nichts passiert, ich hab einen eleganten Bauchfleck gemacht. Heute hat mir noch eines von den Pferden (unabsichtlich) auf die Nase gehaut, das tat wesentlich mehr weh. Aber passiert ist zum Glück ebenfalls nichts.
Der Rest der Pferdchen hat sich (von ein zwei Ausnahmen mal abgesehen) ausgesprochen gut benommen.

Kraftur ist bereits aufgefallen. Ich zitieren meinen Chef: "It is weird he is not talking to the others or making friends... also not fighting! He just looking at stones..." Wer mein Pferd kennt weiss: das ist eine völlig normale Verhaltensweise. Steine scheinen sehr interessant zu sein. Warum auch immer. Vielleicht nimmt er Drogen und ist deswegen so eine soziale Null. Wer weiss. Er wohnt zwar mit einem anderen Pferd zusammen, aber das läuft glaub ich mehr unter "Nur weil man dich mir als Mitbewohner aufgedrängt hat, heisst das noch lange nicht dass ich dich mag!!"
Leider hab ichs noch nicht geschafft ein gutes Bild von ihm als ganzes zu machen. Das wird nachgeliefert, hier kommt erst mal der Blick auf den Eingang ins Vatnsdalur.





Liebe Grüße ins frostige Europa!




Samstag, 4. Februar 2012

Auf ein neues...

Angespornt von gewissen Blogschreiber-Strebern in meinem Bekanntenkreis habe ich mich entschlossen, heute schon den ersten Eintrag online zu stellen obwohl eigentlich noch gar nix passiert ist. Zumindest noch nicht viel.
Die Anreise hierher war zwar lang, aber ohne besondere Zwischenfälle. Erwähnenswert ist höchstens die Zwischenlandung in Amsterdam (ja, Feli, Schande über mich!!), bei welcher es der Pilot geschafft hat bei Sonnenschein und nicht vorhandenem Wind auf der Landebahn derart hart aufzusetzen, dass meine Wirbelsäule nun gefühlte 10 cm kürzer ist und ich nun weiss wofür die Sicherheitsgurte im Flugzeug wirklich da sind. Dagegen war die Landung in Keflavík in völligem Blindflug wegen Nebel (zeitweise war nicht mal mehr das Ende des Flugzeugflügels zu sehen) und Sturmböen relativ unspektakulär.



Wie üblich wenn ich diese Insel betrete, hat das Sauwetter dann noch bis zum Ende des Tages angehalten. Ich hab mich aber nicht weiter stören lassen und einen netten Abend bei Lilja und ihrer (Gross-)familie verbracht inklusive einem fantastischen Essen.
Am nächsten Tag bin ich im strahlenden Sonnenschein mit dem Bus in den Norden gefahren und konnte direkt bei meinem neuen Arbeitsplatz aussteigen.Fotos vom Sonnenschein und dem verschneiten Hochland gibts leider keine, der Bus hatte abgedunkelte Fensterscheiben. Auch die Busfahrt hat eine Überraschung bereitgehalten in Form eines Typen zwei Reihen vor mir, der einen Telefonanruf mit einem herzhaften: "SEAS! .... was i ned! irgendwo im nirgendwo! .... i möd mi wann i do bin." beantwortet hat. Kärntner sind anscheinend überall...

Die Familie bei der ich wohne und arbeite ist sehr nett. Óli und Inga Sóley haben drei kleine Kinder: Sunna Margrét (5), Salka Krístin (3) und Magnús ?den zweiten Vornamen hab ich leider vergessen! (1). Ich habe ein eigenes Zimmer (klein aber gemütlich), einen Fernseher und Internet (juchu!). Den Hof kenne ich ja schon vom letzten Sommer. Hier ein Bild (leider war das Wetter heute nicht mehr so schön), bessere werden folgen.


Da ich erst Freitag Mittag angekommen bin, habe ich einen gemütlichen Start. Am Nachmittag bin ich noch 2 Pferde geritten und auf zwei Jungpferden gesessen. Dann kamen Tierarzt, potentielle Pferdekäufer und neue Pferde.


Wenn wir schon bei Pferden sind: Tatsächlich hat wie angekündigt mein Pferdchen in einer Box auf mich gewartet. Oder ist es vielleicht doch ein Teddybär?


Vielleicht eher ein Teddypferd. Sooooviel Fell!!!
Ich glaub er hat sich auch gefreut mich wiederzusehen. Immerhin hat er sich sofort umgedreht, ist zur Tür gekommen und hat sich ausgiebig streicheln lassen. Jetzt brauchen wir noch Hufeisen und ein bisschen Fett, das wir dann in Muskeln umwandeln können. Er bekommt immer extra grosse Portionen zu essen, ich hoffe das wird bald was.

So, das wars mal für erste!
Bless bless!

Montag, 23. Januar 2012

Herbst - Pferdeabtrieb

Tatsächlich habe ich auch vom Pferdeabtrieb und der etwas ruhigeren Zeit davor einige Fotos gemacht, die ich euch nicht vorenthalten möchte.
Erstmal für alle, die mich zu eher unwirtlichen Jahreszeiten besucht haben:


So sieht das Vatnsdalur im Sommer aus. Schön grün und idyllisch. Das einizige was man hier nicht sieht, ist der doch recht kühle allgegenwärtige Nordwind.

Da eine Trail of Hope Tour wegen zu geringer Teilnehmerzahl abgesagt wurde, hatten wir endlich mal ein bisschen Zeit für uns selbst. Auf der faulen Haut gelegen sind wir natürlich trotzdem nicht, aber es hat auch schon einen nicht zu leugnenden Erholungseffekt, wenn man nicht 16 oder mehr fremde Leute im Haus und um sich herum hat. Die Zeit wurde genutzt um gründlich zu putzen, ein paar Pferde auszuprobieren und einige Videos von Verkaufspferden anzufertigen.

Dann war aber auch bald das Highlight der Herbstsaison vorzubereiten: der Pferdeabtrieb. Für uns war auch das eine Reittour mit gleichviel Gästen wie auch sonst. Allerdings war das alles etwas spannender als die Touren zuvor: die Strecke verlief woanders und auch neue Pferde mussten aufgetrieben werden, da die meisten Leute ihre Pferde für DAS gesellschaftliche Ereignis von Blönduós und Umgebung natürlich selbst brauchten.
Nur damit ihr eine ungefähre Vorstellung habt: Bei diesem Ereignis reitet JEDER mit, der irgendwie kann. Da waren bestimmt zwei- bis dreihundert Leute. Um den eigentlichen Pferdeabtrieb kümmern sich vermutlich nur etwa 15, der Rest wartet bis die Jungpferde vorbei sind und kommt dann gemütlich nach. Alle 15 Minuten gibt es eine Pause und somit dauert das ganze auch einen ganzen Tag. Ist aber sehr amüsant.


Das ganze wird mitunter recht unüberschaubar und vor allem gegen Ende (wo auch die Pferde schon wisse, dass es nicht mehr weit ist) auch recht schnell. Ich hatte alle Hände voll zu tun, meine Gäste am Schluss wieder einzusammeln und in die richtige Richtung zu schicken. Und das, obwohl wir sie alle mit einem gelben Tapestreifen an Helm und Sattel (auf dem Bild sehr gut an Arn-Kathrin (? glaube ich?) zu erkennen) kennzeichnen. Das Bild zeigt uns noch beim Hinaufreiten zum Treffpunkt, wo bereits gefühlte tausend andere gewartet haben:


Es ist natürlich unmöglich bei dieser Menge an Leuten ALLE Gäste im Auge zu behalten. Wir haben uns darauf geeinigt, dass Marit (auf einem glücklicherweise sehr auffällig gefärbten Pferd!) am weitesten vorne bleibt und bei jedem Stopp alle nach ihr Ausschau halten sollten und dort zusammenwarten. Heidi und ich hielten uns irgendwo mittig bis weiter hinten auf (für genauere Angaben fehlte jeglicher Überblick) und versuchten, wenigstens die schwächsten Reiter unter den Gästen nicht komplett aus den Augen zu verlieren. Meist waren wir aber doch gemeinsam unterwegs weil es a) eh wurscht war und b) unsere beiden Handpferde sich partout nicht von einander trennen wollten.
Bei einer so grossen Menge an Leuten trifft man natürlich auch Bekannte, wie zum Beispiel Ninni, die extra aus Hólar angereist kam um am Pferdeabtrieb teilzunehmen. Zu sehen auf folgendem Foto zusammen mit Heidi, die leider just in diesem Moment das Pflichtbewusstsein gepackt und sich nach diversen Gästen umgedreht hat.


Toll war auch das wunderbare Wetter. Es war beinahe schon ZU heiss, wir haben ordentlich geschwitzt. Aber allemal besser als Regen oder Schnee. Auf dem nächsten Bild sind wir schon beinhahe am Ende unseres Rittes angekommen. Durch die Fotos fällt leider der einzigartige Sound dieser Veranstaltung weg, bei dem von dem Lärm den hunderte Pferde machen bishin zu den Gesangswettkämpfen von Männergruppen mit untershiedlichem Alkoholpegel alles vertreten ist.


Schliesslich sind wir abends dann gut (und sogar vollzählig!) am Sortierpferch angekommen. Pferde sortiert wurde allerdings erst am nächsten Tag, mit mehr oder weniger Katerstimmung. Ja, am Abend fand eine grosse Party statt.


Und weil ein Post ohne nicht mindestens ein Bild des besten aller Pferde eh nix ist, kommt hier nochmal mein Kraftur mit rein. Der war am Pferdeabtrieb nämlich nicht mit, weil seine Hufeisen schon so locker waren, dass das sumpfige Gelände ihnen bestimmt den Rest gegeben hätte. Stattdessen hatte mein Lieblingsmaultier Spegill (es ist natürlich ein Pferd, aber die Ohren. die OHREN!!) die Ehre mich den ganzen Tag am Buckel schleppen zu dürfen.


Ich freu mich natürlich schon auf ein Wiedersehen mit meiner einzig wahren Liebe. Fernbeziehungen sind scheisse.

Bless bless!

Freitag, 6. Januar 2012

Sommer Teil 2

Etwas verspätet, aber doch kommt hier nun ein Update vom letzten Sommer. Wie im letzten Post erwähnt, hat meine liebe Familie mich Anfang September besucht. Alle (manche wider Erwarten) waren natürlich ganz begeistert von der Schönheit und Einzigartigkeit der Insel. Nach einer Woche im Süden haben sie es schliesslich zu mir geschafft. Ich musste zwar noch arbeiten, aber sie haben uns trotzdem am Weg angetroffen und konnten sich gleich mal ein Bild von meiner Arbeit machen.


Ich trage übrigens keine Rüstung, sondern lediglich Ersatzzaumzeuge, -zügel, -nasenriemen und ein Funkgerät mit mir herum.


Hier bin ich auf Thór, einem meiner Lieblingspferde zu sehen. Wir haben den Verdacht, dass es sich bei diesem Tier eigentlich um einen zu gross geratenen Hund handelt. Ein Reithund, sozusagen.

Leider hat es die ganzen 4 Tage, die ich mit meiner Familie verbracht habe, öfters geregnet. Das hat uns aber nicht davon abgehalten, diverse Unternehmungen zu starten. Unter anderem haben wir eine sehr schöne Wanderung im Vatnsdalur unternommen, bei der wir mehrere wunderschöne Wasserfälle bestaunen konnten.


Ausserdem waren alle dazu bereit beim Anblick meines Pferdes Kraftur in Bewunderung zu verfallen. Kein Wunder, er ist ja auch ein Poser-Pony.







Selbstverständlich wurden auch alle auf ein Pferd gesetzt. Fotos davon gibt es auf Anfrage ;) ...




Dienstag, 6. September 2011

Sommer Teil 1

So, nun habe ich endlich mal ein wenig Zeit einen neuen Beitrag für meinen in letzter Zeit sträflich vernachlässigten Blog zu verfassen.
Wie ihr euch sicher denken könnt, war der Sommer echt stressig.
Nun liegen nur noch zwei Touren vor mir, die Königinnen Tour (17 isländische Damen) kommen am Donnerstag und bleiben bis Sonntag. Ich werde allerdings nur den ersten Tag mitreiten, weil es endlich meine liebe Familie nach Island geschafft hat. Im Moment treiben sie sich irgendwo im Süden dieser fantastischen Insel herum, kommen aber eben Donnerstag abends zu mir.
Die zweite Tour ist Skrapatungarétt, der Pferdeabtrieb, da werden die Jungpferde im Hochland zusammen- und dann zurück hinunter in die Täler getrieben, dort nach Höfen sortiert und heimgebracht. Anschliessend solls eine grosse Party geben, habe ich gehört.

Begonnen hat der ganze Stress Ende Juni mit der "special tour". Da kamen zwölf Teenager aus Reykjavík mit vier Betreuern. Die Jugendlichen kommen alle anscheined aus sozial eher schwachen Verhältnissen und nehmen das ganze Jahr an einem Betreuungsprogramm teil, von dem die Reittour im Sommer dann der krönende Abschluss ist.
Für uns hiess das: finde die allerbravsten (und stärksten!) Gäule der Umgebung (die Kids hatten nur so ein paar Reitstunden), hieve die Kids rauf und halte die Herde in Schach, damit sie selbige nicht überrennen. Dabei lernt man auch die langsamsten Pferde wie unseren unbezahlbaren Silfurtoppur zu schätzen, den auch sechzig von allen Seiten im Galopp überholende Pferde nicht aus seinem slow-motion Schweinepass werfen können. Sehr stabiler Charakter. ^^


Dann reiste eine Gruppe finnischer Damen an, manche von ihnen des Englischen wenig bis gar nicht mächtig, nichtsdestotrotz aber sehr herzlich und nett. Oder lag es nur daran, dass wir mit Heidi eine Finnin unter den Staff Leuten hatten?
Egal, diese Tour hat uns zum ersten Mal in diesem Sommer über den See Hóp geführt, eine atemberaubend schöne Strecke. Zwölf Kilometer lang durch Wasser (Hóp ist eigentlich eine mit dem Meer verbundene Lagune, der Wasserstand ist also immer eine gewisse Überraschung) und im Tölt über schwarzen Sand nach Thingeyrar.
Als Staff Mitglied bekommt man auch die Gelegenheit, unabsichtlich einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen: man reitet nämlich mit der Herde erst los, nachdem man den Gästen einen grosszügigen Vorsprung (mindestens 30 min!) gewährt hat. Normalerweise verhalten sich die guten Tiere (die meisten sind schon seit Jahren mit auf dieser Tour dabei) auch im Herdenverband ganz manierlich und lassen sich auch brav stoppen, sollte etwas Unvorhergesehenes passieren. Allerdings nicht auf dieser Strecke. Egal wie anstrengend der Tag und wie heiss das Wetter zuvor war, über Hóp wird auch der älteste Gaul zum Rennpferd. Als Reiter gibt es dann nur eins: vorne bleiben um jeden Preis. Wir haben natürlich unsere Spezialpferde, die wir für genau diese Strecke aufheben. Und ja, Kraftur ist einer von denen. Der rast die 12 Kilometer durch, an Trab oder Tölt braucht man gar nicht zu denken. Galopp oder Rennpass ist angesagt. Er ist ja auch im Normalfall kein Fan von langsam gehen, aber über den See gibts keine Bremse. Zum Glück weiss er wo er hin muss.
In Thingeyrar steigt man dann meist völlig verdreckt und durchnässt von einem schwitzenden Pferd, hat aber ein grenzdebiles Dauergrinsen im Gesicht, welches auf kein Foto mehr passt.

Suchbild: Wieviele Pferde findet ihr?

Gleich im Anschluss machten wir uns mit ebendieser finnischen Gruppe auf den Weg zum Landsmót, von welchem wir noch die letzten drei Tage geniessen konnten. Endlich war auch der Sommer in Island angekommen, so dass wir uns gleich einen Sonnenbrand zulegen konnten. In diesem drei Tagen hatten wir alle Hände voll zu tun, aber gleichzeitig endlich mal frei. So konnten wir in aller Ruhe die hervorragenden Zucht- und Sportberwerbe, sowie Gestütspräsentationen und am Sonntag natürlich alle Finale geniessen. Für die Abendgestaltung war mit echt isländischen Parties gesorgt. Auffallend war auch die grosse Menge and Peinlich- und Seltsamkeiten, die immer gehäuft und zusammen auftreten: man unterhält sich über einen Nachbarn (der Hof B. ist nur 5km entfernt), nur um draufzukommen, dass selbiger sein Zelt einen Meter neben dem eigenen aufgestellt hat (und natürlich auch anwesend war). Oder ein von mir verzweifelt gesuchter Hufschmied, der genau dann jener Stelle auftaucht, auf die man gerade im Scherz mit den Worten "I bet he is hiding over there!!" gedeutet hat. Ausserdem trifft man auf dieser Veranstaltung wirklich jeden, ob man will oder nicht. Einige auch dreimal. Oder neunmal. Wenn die Welt ein Dorf ist, ist Island (oder genauer gesagt der Landsmót) die Gaststube des einzigen Wirtshauses am Samstag Abend: jeder kennt jeden und alle viele sind betrunken.
Unsere Theorie ist, dass die ganzen Peinlichkeiten den Weg bis in unsere Pampa nicht finden und sich deswegen sofort auf uns stürzen, sobald wir uns einmal in bewohntere Gefilde wagen.


Das Bemerkenswerteste sind natürlich die Pferde. Dort trifft sich die Elite. Was dort in der Kinderklasse schon herumläuft, lässt einen schon sabbern. (Für alle Pferdeleute: googlet mal Hágangur frá Narfastödum oder Kampan frá Húsavík!) Auch die Präsentationen der Hengste, die einen Preis für Nachzucht erhalten haben, waren einfach wunderbar.



Nach diesem schönen Wochenende gab es nur eine kurze Verschnaufpause, bevor die nächste Gruppe (24 Amerikaner) zu uns kamen. Die Strecke der Reittour war annähernd die gleiche, die Leute natürlich unterschiedlich.
Die Rückkehr zu unseren Pferden fiel uns nach den schönen Bildern vom Landsmót zwar etwas schwer, aber was will man machen. Ich bin mir sicher, dass die meisten dieser Turnierpferde nicht dasselbe leisten können wie die Arbeitspferde, die wir Staffmitglieder reiten.

Arbeitspferd, das: Bezeichnung für ein -> Pferd, dass zum Arbeiten mit einer -> Herde loser Pferde geeignet ist, sprich unbhängig ist. Bsp.1: das Ausreisser Szenario. Einzelne (im allgemeinen eh immer dieselben bescheuerten! Individuen sondern sich von der Herde ab und drehen um oder laufen in eine gänzlich andere Richtung. Das °~ muss in der Lage sein, sich auf Befehl SOFORT von der Herde abzuwenden und mit einem Affenzahn in beliebiger Gangart ohne Rücksicht auf Verluste über Stock und Stein (oder in Island vielmehr: durch Sumpf, Gestrüpp, Schlamm oder Fluss, wer schon mal in diesem Land geritten ist, weiss was ich meine..) zu düsen um die Ausreisser in grossem Bogen zu überholen und wieder zur Herde zurückzutreiben.
Die meisten Gäule müssen schon mit Nachdruck dazu gezwungen überredet werden sich überhaupt erst einmal umzudrehen, und bis dahin sind die Ausreisser über alle Berge.

Gustur
 Bsp.2: Das Brems-Szenario. Vor der Herde reiten bedeutet immer noch hinter einem Teil der Gäste zu reiten. Selbige sind zwar meist gute Reiter auf schnellen Pferden, aber trotzdem ist man als Staffmitglied natürlich der Puffer zwischen der Herde und den Reitern. Wenn die Herde also zu schnell wird, galoppiert man also im Zickzack von links nach rechts, um die überholenden Pferde abzubremsen. Dazu kann man "Hoooooo" rufn oder redet beruhigend vor sich hin. Wenn das aber nichts nützt, wendet man sich den Dränglern zu und schreit am besten laut "Bleib endlich hinten du Saubär!!!" . Mit der Gerte fuchteln hilft auch meistens.
Hinter der Herde muss man die Nachzügler oft auch ein bisschen treiben. "Hopp! Hooopp! Heute noch!!" "Fressen könnt ihr in der Pause!! HOOOOOOOOOOPP!!!!!!!!!!!!!!"
Damit das funktioniert, muss das°~ allerdings völlig schrei- und brüllsicher sein. Sonst endet in beiden Fällen weiter vorne als man möchte.^^

Glói


Bsp. 3: das Tor-Szenario: Auf den Ritten durch die isländische Pampa durchquert man natürlich auch fremde Weiden (mit und ohne diversen Tieren oder auch Hengsten, das macht besonders Spass). Auch hier gilt das gleiche wie beim Wandern auf der heimischen Alm: Was du aufmachst, mach auch wieder zu. Also für die die hinter der Herde reiten: Pferd anhalten, absteigen, Tor zumachen, aufsteigen/losreiten. Die Kunst liegt im ersten Teil des letzten Punktes, denn das Pferd will natürlich schon bevor man oben ist den anderen nachlaufen. Losreiten ist meist kein Problem mehr, es vermischt sich oft mit Punkt "aufsteigen" und wird vom Pferd selbstständig erledigt.
Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten sogenannten "Tore" diesen Namen eigentlich nicht verdienen und das schliessen derselben einige Zeit beanspruchen kann. Gute Arbeitspferde zeichen sich dadurch aus, dass sie nach fünf Minuten auch nicht mehr Theater machen als zu Beginn der Prozedur.

Lýsingur

Zusammenfassung: das Arbeitspferd ist meist schon ein bisschen älter und Jahren auf Tour, kennt die Wege, die Ausreisser und lässt sich auch durch verbeidonnernde LKWs auf der Gegenfahrbahn des Highways nicht sonderlich beeindrucken. Der Nachteil ist, dass es meist einen Grund gibt, warum gewisse Tiere zu Arbeitspferden gemacht werden: man gibt sie nur an Staff Mitglieder aus. Entweder diese Pferde sind für Gäste nicht verlässlich genug etwas irr oder sie tölten nicht. Das sind dann die berühmten Dreigänger (ohja, die gibts auch in Island!) oder die fast noch mehr berüchtigten weil grauenvolle Rückenschmerzen verursachenden Eingänger: Schweinepass in jeder gewünschten Geschwindigkeit. Nichtsdestotrotz lernt man diese hart arbeitenden Gäule wirklich zu schätzen!

Ténor
Ich hoffe, die Bilder sind gut genug, ich musste sie etwas verkleinern. Danke auch an Heidi, die mir einige ihrer Fotos zur Verfügung gestellt hat!